KURZGESCHICHTEN

1. Burg der vergessenen

Der Schnee

Ich wachte aus einem wirren Traum auf. Nass geschwitzt, mein Herz pochte. Ich warf einen Blick neben mir, meine Frau schlief fest. Was hatte mich aus dem Tiefschlaf gerissen? Sie war es jedenfalls nicht, soviel schien klar.

Was zum Teufel hatte ich soeben geträumt? Ich erinnerte mich nur an eine Burg im Schnee. 

Ein innerer Trieb, den ich mir nicht erklären vermochte, zwang mich, aufzustehen. Ich warf einen Blick auf meine Uhr: kurz nach Mitternacht. Ich sah aus dem Fenster in die Nacht. Dichter Schneefall verschleierte den Vollmond.

Ich glitt aus dem Bett und zog mich an. Wollstrümpfe über die lange Unterhose, damit sie mir beim Anziehen der Jeans nicht das Bein hochrutschte – das kann ich nicht leiden –, ein langärmliches Rollkragenshirt mit einem dicken Pulli darüber. Dann stieg ich die Treppe hinunter. Die alte Scheune, die ich zum Wohnhaus umgebaut hatte, gab keinen Laut von sich. Sogar die Katzen, ansonsten zu jeder Tag- und Nachtzeit zum Fressen bereit, schliefen fest.

Ich zog mir die Winterstiefel an und nahm den Hausschlüssel vom Haken, öffnete leise die Tür. Wollte ich wirklich hinaus in die Kälte der Nacht?

Ja, du musst!, flüsterte eine Stimme. Ich fuhr herum.

Niemand da.

Mit einem Kribbeln im Nacken verließ ich das Haus.

Eine magische Hand ließ mich das Tor zum Stall öffnen. Die Pferde schliefen, eine von ihnen hatte sich hingelegt, die anderen zwei standen mit offenen Augen da, die Köpfe aneinander. Ich schlich durch die Remise und ging den Weg hoch, über den Reitplatz und die Wiese dahinter bis zum Pfad, der in den Wald führte.

Das Schneetreiben nahm zu. Bald sah ich den Pfad kaum noch, die Stiefel sanken tief in den weichen Schnee ein.

Wohin soll es gehen? Ich hatte keine Ahnung, eine unsichtbare Kraft trieb mich immer weiter in die Schneenacht hinein.

Nach einer Viertelstunde wusste ich nicht mehr, wo ich war. Ich musste vom Pfad abgekommen sein. Ich blieb stehen.

Weiter! Dauert nicht mehr lange! Wieder diese Stimme.

Ich ging weiter, einen Schritt vor dem anderen.

Bis vor mir ein Tor auftauchte. Auf den in Schmiedeeisen liebevoll gefertigten Ornamenten prangerte ein Schild mit der Aufschrift: 

Burg der Vergessenen? Werde ich verrückt? Hier ist keine Burg!

Das Tor stand eine Handbreit geöffnet, ich stieß es auf. Ich hörte ein eisernes Schep- pern, als es hinter mir zuschlug, und drehte mich um.

Ich war das nicht!

Vor mir lag ein vom Schnee freigeräumter Weg,.

Ich schritt den Weg hinunter. Nach einer kurzen Weile tauchte ein Schatten aus dem Schneedickicht auf. Als ich näherkam, wandelte er sich in den Umriss einer Burg.

Ich träume! Rieb mir die Augen. Die Burg blieb.

Zögernd stieg ich die steinernen Stufen hoch, die zu einer schweren Eichentür führten. Die gleichen Verzierungen wie am Tor. Die gleiche Inschrift. Auch die Tür war nur ange- lehnt. Ich drückte sie auf und trat ein.

Hinter mir fiel sie mit einem dumpfen Schlag ins Schloss.

Schon wieder! Ich wirbelte herum, drückte die gusseiserne Klinke. Die Tür ließ sich nicht öffnen.

Ich bin gefangen!

 

Die rote Tür

 

Ich befand mich in einem schmalen Flur. Im schummrigen Licht, dessen Quelle ich nicht erkennen konnte, verengte sich der Flur nach hinten, hin zu einer Steintreppe, die hinauf führte. Ich stieg die Treppe hoch und landete auf einem hölzernen Steg. Auf der rechten Seite eine Wand, derer Höhe ich nicht einzuschätzen vermochte. Links ein dunkler Saal. Durch ein einziges hohes Spitzbogenfenster am Ende des Saals fiel karges Mondlicht auf eine Gruppe schemenhafter Gestalten oder Statuen, die in einem Kreis standen.

Ich ging ein paar Schritte den Steg hinunter.

Verharrte.

Stimmengeflüster! Es kam aus der Richtung, wo sich der Kreis Statuen befand.

»Er ist da!«, hörte ich. Die Köpfe der Statuen hoben sich, schauten zu mir. Die, die mit dem Rücken zu mir standen, drehten sich um.

Vier Kerzenständer, im Viereck um den Kreis angeordnet, leuchteten auf und warfen ein schimmerndes Licht auf die Statuen im Kreis. Ich sah eine im Gewand eines Kreuzrit- ters, eine andere in der scharlachroten Robe eines Kardinals, eine Ordensschwester .... Das sind keine Statuen!

Geh hinunter!, flüsterte es hinter mir. Diesmal drehte ich mich nicht um, sondern ging ein paar Schritte, blieb erneut stehen, zu verblüfft ob des Schauspiels dort unten. Als ich nicht fortschritt, drehten die Statuen sich wieder um und redeten miteinander, lauter diesmal. Der Ritter sprach mit einem jungen Mann, die Ordensschwester mir einer dunkelhaarigen Frau. Der junge Mann und die Dunkelhaarige kamen mir irgendwie bekannt vor.

Gesprächsfetzen drangen zu mir herauf. »Er will nicht ... hat uns vergessen ... nein, er wird kommen, mit uns hat er auch ... lässt uns hier stehen ... hat Wichtigeres vor ...« Ich konnte mir keinen Reim darauf machen, was sie da redeten. Wer sind sie? Reden die über mich? Sie scheinen mich zu kennen, aber woher?

Ich gab mir einen Ruck, ging zum Ende des Holzstegs und stieg die Treppe hinunter, die in den Saal führte,

Die Stimmen verstummten. Zögernd schritt ich auf sie zu.

Der Kreis öffnete sich.

Ich trat in die Mitte und sah die Gestalten an, drehte mich dabei langsam auf der Stelle. Links neben dem Ritter stand die Ordensschwester, auf seiner rechten Seite der Kardi- nal, dann ein Mönch. Sie schienen aus dem Mittelalter gekommen zu sein. Ich sah einen zweiten Mönch, einen hochgewachsenen Mann mit weißem kurz geschnittenem Haar, einen Mann, der seinen Arm um eine blonde Frau gelegt hatte, einen untersetzten Herr mit Halbglatze und Hornbrille ...

Auf einmal wusste ich, wer diese Gestalten waren.

Meine Figuren!

Ariana von Hane, Wilhelm von Bolanden, Salvatore da Lucca, Walter von Gerbrand, Morten DeLanier, Chris Lucas, Helen Schumann, Max Delius, Chiara Ludwig ... »Was ... was wollt ihr von mir, warum seid ihr hier?«, fragte ich in die Runde, aber all- mählich breitete sich ein Gefühl in mir aus, dass ich es genau wusste.

Es war Helen Schumann, der als Erste antwortete.

»Du hast uns vergessen, Frank. Chris und ich warten bereits seit mehr als zehn Jahren auf die Fertigstellung unserer Geschichte, der Confluentes Verschwörung. Dabei hattest du sie doch schon vor Jahren fertig geschrieben! Max und Chiara haben uns soeben erzählt, dass du ihre Geschichte publiziert hast. Das freut uns natürlich für sie, aber wir wären eigentlich zuerst an der Reihe gewesen.«

Mir verschlug es kurz die Sprache.

»Ich ... ich weiß. Ja, eure Geschichte hatte ich bereits fertig, aber dann habe ich mich dazu entschieden, mehr daraus zu machen, eine Trilogie, vielleicht sogar eine Tetralogie. Und dann habe ich mich verhaspelt und dazu entschlossen, ein neues Buch zu schreiben. Max und Chi...«

»Sorry, dass ich dich unterbreche, Frank, ich habe ihnen gerade erzählt, wie das gelaufen ist.« Max sah mich an. »Aber Chiara und ich wollen nicht allein bleiben, ein wenig Gesellschaft täte uns gut.«

Ich wandte mich Wilhelm, Ariana und da Lucca zu. »Eure Geschichte, Teil eins der Tri- logie, Genesis, ist fertig, befindet sich im Lektorat. Wenn alles gut geht, werdet ihr im nächsten Frühling publiziert.«

Da Lucca nickte. »Ich danke Euch, auch wenn ich die Geschichte nicht überleben durfte. Warum eigentlich nicht? Das hat mich hart getroffen.«

»Ihr ward sehr gemein zu uns, habt es nicht besser verdient!«, giftete Schwester Aria- na.«

Das läuft aus dem Ruder! »Kinder, bitte keinen Streit. Noch ist das Buch nicht gedruckt. Ich werde es mir noch mal überlegen, okay?«

Da Lucca nickte.

»Und wir?« Helen Schumann.

»Ich bin an Buch zwei der Trilogie, Vermächtnis, dran. Ist eine komplizierte Geschichte. Ihr müsst euch noch ein wenig gedulden.«

»Und die anderen?« Auf ein Zeichen von Chris Lucas öffnete sich der Kreis. Eine neue Gruppe, die mir vorher nicht aufgefallen war, trat aus der Dunkelheit hervor.

Einer von ihnen, ein junger Mann, den ich gar nicht kannte, sprach mich an.

»Was ist mit mir und Hanna? Wann fängst du mit unserer Geschichte an?«

»Sorry, ich kann mich nicht erinnern, dass ich dich kenne.«

»Magnus Brenner, der Architekt.«

Die Schamröte ließ meinen Kopf glühen. »Oh ja, natürlich, ich habe euch nicht ver- gessen. Die Pianistin! Aber auch hier gibt es Veränderungen, das alte Klavier habe ich bei euch rausgenommen und in eine andere Geschichte verpflanzt. Kannst wählen, in welche du die Hauptfigur sein willst.«

»Brauche ich nicht. Ich bleibe bei Hanna.«

»Von mir aus. Aber das wird mindestens noch zwei Jahre dauern, bis ich da weiter- schreiben werde.«

»Aber es könnte auch schneller gehen, oder?« Morten DeLanier, der hagere Weißhaa- rige, Antagonist aus Verschwörung, meldete sich zu Wort. »Ich weiß nicht, wie du deine Zeit verbringst, aber mir scheint, du könntest dein Tagesprogramm ein wenig straffen, um mehr zu schreiben, findest du nicht?« Er bohrte seinen Blick in mich.

Ich senkte den Kopf. »Da hast du recht. Ich werde mich bessern.«

»Das bezweifeln wir. Deshalb habe ich diese Versammlung einberufen, ein Emergency Call, sozusagen, denn so geht es nicht weiter. Es ergibt keinen Sinn, uns mit span- nenden Geschichten heiß zu machen und uns dann einfach im Regen stehen zu lassen.« Er warf einen Blick durchs Fenster. »Oder im Schnee.« Er sah mich wieder an. »Du hast vergessen, dass wir bereits lange vor deinen Lesern da waren. Dass auch wir deine Geschichten leben! Und nicht in Vergessenheit geraten wollen. Dann sterben wir, ist dir das eigentlich klar? Und das wollen wir nicht. Dafür gehen wir jetzt auf die Barri- kade.«

Jetzt meldete sich Chiara zu Wort.

»Unsere Geschichte hast du zwar publiziert, aber das reicht nicht. Wenn keine weiteren Geschichten folgen ...« Sie schwenkte ihren Arm im Halbkreis, »... damit meine ich nicht nur Geschichten mit uns in den Hauptrollen, sondern auch neue mit den anderen hier, wenn die also nicht kommen, dann vergisst man uns und wir sterben ebenso.«

Ich schämte mich, aus dieser Perspektive, der meiner Figuren, hatte ich das noch nie betrachtet.

Spontan umarmte ich sie. »Du hast so recht. Es tut mir wirklich leid.«

Jetzt sprach Chris: »Deshalb haben wir uns etwas ausgedacht.«

Er streckte die Hand aus, der Zeigefinger auf einen Punkt hinter mir gerichtet.

Ich drehte mich um. Chris zeigte auf eine rote Tür an der gegenüberliegenden Wand in der Ecke des Raumes.

Alle richteten jetzt den Blick auf diese Tür.

»Ihr ... ihr wollt, dass ich dorthin ...?«

Sie nickten.

Der Kreis öffnete sich.

Mir blieb nichts anderes übrig, als hinzugehen.

Vor der Tür blieb ich stehen. Das Rot leuchtete auf, als Warnung und gleichzeitig als Einladung, einzutreten.

Ich fasste die Klinke, drehte ein letztes Mal den Kopf, blickte hinüber zum Kreis.

Erneut nickten mir alle aufmunternd zu.

Ich drückte die Klinke und trat in den dahinterliegenden Raum.

Die Tür schloss leise hinter mir.

 

Der Tisch

 

Tiefe Schwärze um mich herum. In was die Mitte des Raumes zu schein schien stand ein Tisch. Von einem Lichtstrahl grell beleuchtet, der von einer unsichtbaren Dachspitze herunterfiel, wartete er auf mich, lud mich ein, zu ihm zu kommen.

Ich harrte auf der Stelle.

Als meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sah ich, dass ich mich in einer Pyramide befand.

Ich näherte mich dem Tisch, betrachtete den Stuhl davor und die Menge Ordner am Rand der Tischplatte.

In der Mitte lag ein Stift neben einem Schreibblock.

Ich nahm den ersten Ordner und öffnete ihn. Er enthielt nur eine Seite, mit etwas darauf Geschriebenem.

Sonst war der Ordner leer.

Ich öffnete den nächsten. Und den darauf folgenden. Immer das Gleiche: ein beschrie- benes Blatt, weiter nichts.

Als ich sie alle durchgesehen hatte, atmete ich tief durch.

Auf den einzigen Blättern in den Ordnern standen die Titel meiner noch nicht begonne- nen Schreibprojekte.

Fünfzehn an der Zahl.

Ich warf einen Blick zurück auf die Tür. Doch ich wusste, dass es aussichtslos war. Heute Nacht war die Nacht der sich nur in eine Richtung öffnenden Toren und Türen.

Nur hinein, kein zurück.

 

Ich nahm Platz, schlug den ersten Ordner auf.

Griff den Schreibstift.

Setzte ihn auf die erste Seite des Schreibblocks an.

In diesem Moment verschwand der Block, der Tisch, die Pyramide, die Burg, das schmiedeeiserne Tor.

Nur der Schnee blieb.

Einen Augenblick stand ich verdutzt da.

Dann warf ich den Kopf zurück, öffnete den Mund, ließ die heruntertanzenden Flocken auf der Zunge schmelzen.

Am östlichen Horizont glitzerte der Schnee in der Morgenröte.

Wie die rote Tür. Ein Neuanfang!

Ich stieß einen Glücksschrei aus und schritt den Weg zurück ins Dorf.

 

Im Schlafzimmer beugte ich mich zu meiner Frau.

Ich küsste sie auf die Stirn.

Sie schlug die Augen auf.

»Ich hatte einen wunderbaren Traum, den muss ich dir erzählen!«


2. Aufsatz

Lesestunde im Unterricht. Die Drittklässler hatten zum allerersten Mal einen Aufsatz geschrieben, die sie jetzt vorlesen sollten.

Als Erster war Hans an der Reihe, den allen Kleinrötchen nannten, wegen seiner roten Haare und Sommersprossen.

Hans erhob sich von der Schulbank und begann:

 

»I...ich b...bin so n...nerv...vös ...«

»Das macht nichts, Hans«, unterbrach ihn Frau Schulze, »wir sind alle nervös, wenn wir etwas tun sollen, das wir noch nie getan haben.«

Hans sah von seinem Papier auf und bemerkte, dass alle ihn anstarrten. Hinter ihm kicherten welche. Er wollte etwas sagen, doch Frau Schulze kam ihm zuvor.

»Komm Hans, fang jetzt einfach an.«

Hans senkte den Kopf, es dauerte einen Moment, dann: »Ich bin s...so nerv...vös ...«

»So kommen wir nicht weiter, Hans«, unterbrach ihn Frau Schulze erneut. »Nun komm schon, du brauchst doch keine Angst zu haben, dass dir jemand etwas antut. Es ist für alle das erste Mal, deine Mitschüler sind genauso aufgeregt wie du. Wir finden es ja ganz gut, dass du so ehrlich bist und zugibst, dass du nervös bist. Das haben wir nun gehört. Jetzt lies endlich!«

Hans wagte es nicht mehr, in die ihm zugewandten Gesichter zu schauen. Seine Unterlippe zitterte, er starrte auf sein Blatt und es schien, als könnte er jeden Moment in Tränen ausbrechen.

»Hans?« Frau Schulze stand jetzt neben ihm und sah auf ihn herunter. Hans saß nach vorne gebeugt, die Hände auf den Aufsatz, den Kopf gesenkt.

»Zum letzten Mal, lies jetzt deinen Aufsatz vor!«

Doch Hans brachte keinen Ton mehr heraus.

Frau Schulze begriff, dass es keinen Sinn mehr hatte, Hans zum Vorlesen seines Aufsatzes zu bewegen. Sie seufzte und begab sich wieder nach vorne.

»Marianne, deinen Aufsatz bitte!«

Am Ende des Tages sammelte Frau Schulze die Aufsätze ein und verabschiedete die Kinder. Hans schlich, die Augen fest auf den Boden gerichtet, an ihr vorbei zum Ausgang.

Karin Schulze sah ihm nach.

Vielleicht sollte ich seine Eltern fragen, warum er so unsicher ist.

Dann packte sie die Aufsätze in ihre Aktentasche und machte sich auf den Nachhauseweg. Nach dem Abendessen setzte sie sich an ihren Schreibtisch und kramte den Aufsatz von Hans aus der Tasche hervor.

Die Schamröte stieg ihr ins Gesicht, als sie las, was der Junge vergeblich versucht hatte, vorzulesen: 

»Ich bin so nervös, weil meine Freunde mich immer auslachen, wenn ich was sage. Weil ich so stottere ...«


3. apothekenterror

Der Greis stand, über seinem Rollator gebeugt, vor dem Tresen, der ihn fast um einen Kopf überragte. Es war voll in der Apotheke. Von meinem Standort aus konnte ich den Kopf des Alten kaum sehen.

Die Apothekerin, die seine Bestellung aufgenommen hatte, kehrte mit mehreren großen Paketen zurück und übergab sie dem alten Mann..

Er schaffte es, sie in den Korb seines Rollators einzupassen.

»Leider muss ich eines der Medikamente für Sie bestellen«, teilte sie ihm mit.

Er nickte nur.

Die Reihe schob nach vorne. Neben dem Alten wurde der nächste Kunde bedient.

»Das macht dann siebenhundertsechsundachtzig Euro und achtundvierzig Cent.«

Sie hatte laut gesprochen, damit der Alte sie verstand.

Er reagierte nicht.

Die Person vor mir scherte aus der Reihe aus und stellte sich an den nächsten am Tresen freigewordenen Platz.

Ich selbst stand da wie betäubt.

Die Apothekerin wiederholte den Betrag, etwas lauter.

Der Rollator bewegte sich vor und zurück, als der Alte nickte.

»Brauchen Sie eine Kopie des Rezeptes?«

Der Rollator bewegte sich seitwärts hin und her.

Keine Kopie.

Stille.

Dann murmelte er etwas, das sich nach »Anzahlung« anhörte.

Die Apothekerin schüttelte den Kopf. »Das ist nicht nötig.«

Immerhin.

Ich sah ihm nach, als er schleppend die Apotheke verließ.

Wollte mich umdrehen, fliehen.

Zu spät.

»Womit kann ich Ihnen helfen?«