Biographie

Teil 1: Beruflicher Werdegang

 

 

Tropenkind

 

Es geschah in Tanjung Pandan, einem schummrigen Fischerdorf auf der Insel Billiton im Java-Meer, als ich im Morgengrauen des achtzehnten Juli 1949 zum ersten Mal meine Augen aufschlug, in das freundliche Antlitz einer maleisischen Hebamme blickte, und einen Angstschrei ausstieß – obwohl meine Mutter ihn sicher als Freudenschrei wahrgenommen hat.

Fortan hieß ich Johannes Franciscus – meine Eltern ahnten damals noch nicht, dass irgendwann ein Papst nach mir benannt werden sollte – und weil der Name ihnen dann doch zu lang erschien, wurde ich kurzerhand Frank genannt. So wurde ich zum niederländischen jungen und bis dahin jüngsten Sprössling einer Familie, deren Namen es in den Niederlanden nur einmal gibt.

Im Java-Meer schürfte mein Vater mit Schaufelbaggern auf dem Meeresboden nach Zinnerz für eine niederländische Firma. 

 

Das Zinnerz brachte der niederländischen Kompanie viel Geld, aber wenig Ruhm in der ehemaligen Kolonie. Die Folge: Im Jahr 1958 – wir hatten es inzwischen von der Insel aufs Festland in die Hauptstadt Jakarta geschafft – warf der neue Diktator Sukarno die Holländer aus dem Land usir belanda! (die Weißen raus!) und wir mussten Djakarta Hals über Kopf verlassen.

 

 

Schule und Berufswahl

 

Zurück in Holland erlangte ich 1968 in Rotterdam nach der Grundschule das Abitur Gymnasium mit Bestnoten in den mathematischen Fächern, was meinen Klassenlehrer zur Weißglut trieb – rotjong!  (Dreckskerl) –, der sich diese Leistung des Öfteren von mir gewünscht hatte. Einziger Wermutstropfen: Die einzige schlechte Note war für ... Deutsch! Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen, wie sich viel später zeigen würde.

Mit dem Schulabschluss stellte sich die Frage nach der Berufswahl – zugegeben, etwas spät, aber es ging noch mal gut. Der Gedanke schien naheliegend: so Vater, so Sohn! Ich wollte zwar kein Erdbauingenieur werden, aber Archäologe oder Meeresgeologe, das wäre doch was! Eines Tages war ich zu Besuch bei meiner Schwester und ihrem Freund. Da offenbarten sich mir zwei Sachen, die mich für die Zukunft prägen sollten:

Das Erste war die Musik meines zukünftigen Schwagers: Er stand auf Emerson, Lake und Palmer, Yes und Genesis. Ich kannte bis dahin nur Cliff Richard, Beatles und Rolling Stones. Die neue Klänge hauten mich um!

Das Zweite war ein Bilderbuch über den Kyoto-Palast in Japan. Als er meine Begeisterung hörte, fragte mich mein Schwager in Spe so nebenbei: »Wäre Architektur nichts für dich?«

Wie recht er hatte! Der Gedanke an meinen zukünftigen Beruf war geboren.

 

 

Studium in der Conföderatio Helvetica

 

Da meine Eltern 1968 zurück in den Fernen Osten zogen, und ich auf ein überlanges Studium mit intensivem »Studentenleben« keinen Bock hatte, folgte ich dem Rat eines Nachbarn und zog in die Schweiz um Architektur zu studieren an der ETH – Eidgenössischen Technischen Hochschule – in Zürich.

Im Frühjahr 1974 schloss ich – mit diesmal zufriedenen Professoren – mein Studium ab. Das war schon eine Leistung, hatte ich mich all die Jahre doch mehr um die Beziehung zur damaligen Freundin gekümmert und für das Skifahren interessiert. Fortan durfte ich mich stolz Diplom-Architekt ETH nennen. Immerhin beherrschte ich bis dahin einigermaßen das Schwyzerdüütsch!

 

 

Heirat

 

Eine in Deutschland lebende US-Amerikanerin, die ich Ostern 1972 kennengelernt hatte und sehr indianisch aussah – ich war als Kind ein großer Fan von Winnetou und seiner Schwester Nscho-Tschi – lockte mich 1974 in die Bundesrepublik. Nicht nur, um richtig Deutsch zu lernen, aber es half. Auch war es gut für mein Englisch. Wir nutzten den Sommerurlaub 1976 in Schottland, um dort zu heiraten. Das schien einfach ... und war es dann doch nicht. In der Stadt Dunoon am Holy Loch, wo wir in der Nähe wohnten, gab es viele US-Boys, denn dort war die Atom-U-Boot Basis der Vereinigten Staaten. Klar, die Boys verliebten sich in die schottischen Mädels und die Amis machten Probleme – Security! – was zu nervendem Screening und Schriftkram führte. Und jetzt kamen ein Holländer und eine US-Girl, die heiraten wollten! Denen zahlen wir es heim!, dachte sich wohl der örtliche Richter und machte uns Auflagen. »You need a Special Licence«, hieß es, nicht »to kill«, sondern »to marry!«

»Don´t worry«, sprach unser Anwalt und er schaffte es tatsächlich, die Lizenz einen Tag vor unserer Abreise zu besorgen. Seitdem sind wir Citizens of Edinburgh und können uns jederzeit in Schottland niederlassen, Brexit hin oder her!

 

 

Erfolg

 

Als Angestellter hielt ich es in Architekturbüros nur drei Jahre aus.

Dann bekam ich das Angebot eines Architekten, zunächst für einen gemeinsamen Wettbewerb, dann auch für eine Zusammenarbeit. Ich schlug zu, kündigte meinen Job und arbeitete als zukünftiger Partner an seinen Projekten. Er selbst beschäftige sich mit wichtigeren Sachen. Als er einen Großauftrag erhielt, besann er sich eines Besseren und gab mir den freundlichen Rat, mich um eigene Projekte zu kümmern.

So gelangte ich unfreiwillig in die Selbstständigkeit und begann 1978 mit dem opkalefateren – auf Deutsch Sanierung – von Fachwerkhäusern. Meine Spezialität war der Umbau alter Scheunen in Wohnhäuser.

In 1984 führte ich an der Volkshochschule Rheingau-Taunus einen Kurs Fachwerk-und Lehmbau in Theorie und Praxis durch. Meine Autographie dazu wollte ich dann als Sachbuch veröffentlichen, der Wiesbadener Bauverlag hatte großes Interesse. Hätte ich gewusst, welchen Wert ein bereits publiziertes Buch für meine zukünftige Tätigkeit gehabt hätte ... Doch es kam wieder etwas dazwischen: Ich übernahm ein Architekturbüro mit festem Kundenstamm und widmete mich mehrere Jahre dem Industriebau, nach dem vom Vorgänger vorgegebenem Motto »Länge mal Breite mal D-Mark« (damals noch). Es dauerte nicht lange, da führte ich zwei Architekturbüros mit fünfzehn Angestellten und kam nicht mehr zum Entwerfen. Aber der Rubel rollte ... 

 

 

Dämpfer

 

... bis im Frühjahr 1991 aus Operation Desert Shield Operation Desert Storm wurde. Das war nicht nur für den Weltfrieden ein Rückschlag! Mein größter Auftraggeber verlor durch das Irak-Embargo den Großteil seiner Geschäfte und stoppte sämtliche Bauprojekte. Die Hausbank folgte dem Beispiel und stoppte wenig später sämtliche Gehaltsüberweisungen. Mir blieb nichts anderes übrig, als schweren Herzens meine Mitarbeiter zu kündigen. Mit meiner treuesten Mitarbeiterin machte ich noch mehrere Jahre weiter.

Und wieder kam mir das Glück zur Hilfe.

 

 

Chance

 

Ein Jahr später rief mich eines Tages jemand an, der eine alte Lederfabrik besaß, die er verkaufen wollte. Ob ich als Altbauspezialist Interesse hätte?

Und ob! Ich erstellte ein Konzept, führte ein langes Gespräch mit der Hausbank, die einwilligte, weil wieder Geld floss, und nahm meinen Nachbarn als Kaufmann mit ins Boot. 

Wir stiegen zum Bauträger auf, gaben dem Projekt den passenden Namen Fabricasa, bauten die zwei Fabrikgebäude aus Ziegelmauerwerk in Eigentumswohnungen um und verkauften sie ohne Verlust, was man für Anfänger des Metiers bereits als Erfolg bewerten konnte.

Wir hatten Blut geleckt. Als uns im selben Ort ein Grundstück angeboten wurde, worauf sich ein großes Wohnbauprojekt für Senioren verwirklichen ließ – wir mussten ja auch für unsere Altersversorgung planen –, schlugen wir zu.

 

 

Desaster

 

Dann kam die Katastrophe! Das Millionenprojekt stand nicht unter einem guten Stern. Alles, was nur schiefgehen konnte, ging schief. Die Planung verlängerte sich durch unfreundliche Mitwirkung der Stadtverordneten um mehr als ein Jahr, darauf sprang die Bank ab und wollte »abwickeln«, wie es in der Fachsprache heißt.

Es dauerte acht Jahre und unzählige Bebauungsvorschläge, bis wir das Grundstück mit großem Verlust verkaufen konnten.

Übrig blieb eine hohe finanzielle Schuld.

 

 

Glück im Unglück

 

Erneut hatte ich Glück: Zwei Fabrikprojekte, eins in Tschechien und eins in der Gegend, wo ich wohnte, und eine kleine Erbschaft ermöglichten mir nach zwei Jahren die Rückzahlung der Schuld.

Doch ich hatte genug von der Bauerei.

Es war Zeit für was Neues.

 

 

Schriftsteller!

 

Obwohl ich während der Schulzeit immer einen Horror vor Aufsätzen hatte, fing ich Ende der neunziger Jahren an, meine Bauerlebnisse als Krimis zu verfassen. Aus den Notizen wurde Fiktion, es entstanden mehrere Geschichten, die aus Zeitmangel leider im Keim erstickten.

Kurz vor Weihnachten 2007 besuchte ich Koblenz und das Deutsche Eck mit dem Reiterstandbild des Kaiser Wilhelms. Dieses monströse Denkmal, das ehemalige Deutschherrenhaus und die St. Kastor-Basilika inspirierten mich zu einem Thriller, der Ende des dreizehnten Jahrhunderts mit der Erstürmung der Stadt Akkon in Palästina seinen Anfang nimmt. 

Mit diesem Projekt im Kopf beschloss ich an meinem sechzigsten Geburtstag, den Architektenberuf an den Nagel zu hängen und mich fortan dem »richtigen« Schreiben zu widmen.

Ich hatte mit der deutschen Sprache ja noch was gut zu machen ...

 

 

Thrillerautor

 

Kurz bevor ich 2012 – nach mehr als 800 Seiten meines Erstlingswerks – an einem Internet-Workshop über Exposé-Erstellung teilnahm, stellte ich fest, dass sich in meinem Buchprojekt zwei konkurrierende Themen vermischten. Da auch die Figuren im ersten Teil, der im Mittelalter spielt, ständig bei mir anklopften, weil sie sich in einer eigenen Geschichte verewigen wollten, gab ich ihrem Wunsch nach – man will ja auch mal seine Ruhe haben – und schuf aus dem Thriller eine Trilogie mit dem Namen Confluentes.

Und dann kam ich ins Straucheln. Dem Rat einer weisen Kollegin folgend, fing ich ein neues Projekt an, wofür ich im Jahr davor bereits eine Idee entwickelt hatte.

 

 

Die Entstehung meines Debüt-Thrillers "Der Plot"

 

Diese Geschichte entstand eines Nachts im November des Jahres 2011. Ich dachte darüber nach, wie es wäre, wenn das, was ich schreibe, zeitgleich ›da draußen‹ geschieht.

Der Anfang einer Fantasy-Geschichte? Mein Gefühl sagte mir, dass eine »wahre« Geschichte spannender sein könnte.

Ich knipste das Licht an, nahm mein Notizheft und schrieb ein erstes Kapitel über einen Schriftsteller, der gezwungen wird, einen Thriller zu schreiben, dessen Morde fast zeitgleich in wahren Leben geschehen.

Mein Debüt-Thriller »Der Plot« ist inzwischen erschienen und ich habe neben der Trilogie noch eine Menge Geschichten in der digitalen Schublade, die ich niederschreiben muss. Mir wird also nicht langweilig.

Ich hoffe, meinen Lesern ebenso wenig.

 

 

Warum schreibe ich?

 

Die Frage lässt sich zunächst im Zusammenspiel dreier Fragen beantworten: 

 

Die erste: Warum spiele ich Klavier? Warum tanze ich gerne, besonders Tango Argentino?

Antwort: wegen des Selbstausdrucks und der Kreativität in der Improvisation! Mein Tangolehrer sagt dazu: »Erzähl mir eine Geschichte.«

 

Die zweite: Warum habe ich als Architekt gerne Fabriken gebaut?

Antwort: wegen der Strukturierung von Funktionen und ihrer kreativen baulichen Umsetzung mittels Technik.

Das Gleiche trifft beim Schreiben zu: Strukturierung einer Geschichte und die kreative Umsetzung mit geeigneten Wörtern.

 

Die dritte: Warum restauriere ich alte Autos und alte Klaviere? Warum habe ich lange Zeit alte Fachwerkhäuser saniert?

Antwort: wegen der Liebe zur Vergangenheit, zum Historischen, zum zeitlosen, ewig Beständigen.

 

Schließlich schreibe ich, weil ich viel zu erzählen habe.

 

 

Perfektion, Genialität und Leidenschaft

 

Ich bin ein Perfektionist. Bei allem was ich tue, werde ich getrieben von meinem Streben nach Perfektion. Man sieht es leider nicht immer. Trotzdem behaupte ich das, weil ich es kann.

Nach Genialität kann der Mensch nicht streben. Es ist einfach da, oder nicht. Beurteilen können das nur die Anderen. Ich kann nicht sagen, dass ich genial bin. Meine Frau behauptet es ab und an, aber ich nehme das nicht so ernst. Sie liebt mich halt.

Der Gedanke, dass ich nicht genial bin, stoppt mich aber nicht, Dinge zu tun, worin andere Menschen Genialität errungen haben.

Solange mich die Leidenschaft dazu treibt. Bei allem, was ich leidenschaftlich tue, will ich besser werden. Wenn ich aufhöre, in einer Sache besser werden zu wollen, hört für mich die Leidenschaft für die Sache auf.

 

Das ist in Ordnung, finde ich.

 


Teil 2: Wohnen und Freizeit

 

 

Bauernhaus

 

Unsere Eltern waren Globetrotter. Meine Frau ist Tochter eines Flugkapitäns, mein Vater war süchtig nach Fernost. Für uns hieß das: ständiger Wohnort und Schulwechsel. Diese Tradition setzte ich während meiner sechsjährigen Studienzeit fort: Dreizehnmal wechselte ich in Zürich die Bleibe. Nach dem Umzug nach Deutschland 1972 wurde es weniger: Studentenheim in Frankfurt am Main, Kronberg, Hofheim-Marxheim, wo ich mich 1978 selbstständig machte. Vier Jahre später war es dann soweit: Wir fanden eine uns bis dahin unbekannte, aber was die Liebe für alte Häuser betrifft gleichgesinnte Familie, saßen zwei Wochen später vor dem Notar und wohnen seitdem mit Pferden, Katzen, Mäusen, ab und zu einem überwinternden Igel in einer eigenhändig von uns umgebauten Fachwerkscheune in einem 300-Seelendorf unweit Wiesbaden.

 

 

Pferde

 

Zum Reiten bin ich gekommen, wie die Jungfrau zum Kind, allerdings im umgekehrten Sinn. Das erste Mal in Holland, als meine damalige Freundin plötzlich zu Pferd auf dem Ferienhaus-Grundstück meiner Eltern erschien, wo ich gerade dabei war, mein Segelboot für die kommende Regattasaison klar zu machen. Ich hatte mehr Angst, dass ihr Gaul mein Boot zertrampeln würde, als umgekehrt. 

Das zweite Mal in Zürich, wo ich mich im Konkurrenzkampf mit einem Nebenbuhler beweisen musste. Er war ein guter Reiter, was meiner Freundin gefiel, also musste ich wohl oder übel aufs Pferd. Es hat nicht viel genützt, sie heiratete einen Dritten – keinen Reiter.

Schließlich meine Indianerin, die mit ihren drei Schwestern ein Rassepferd besaß. Wieder musste ich zeigen, dass ich ein Reitmeister war, was die Edelstute aber nicht wahrnahm. Sie ritt mit mir eine halbe Bahn und hielt brav in der Mitte des Reitplatzes, wie es sich gehört. Das wiederholte sich drei Mal, dann fand ich, dass ich genug meines Könnens gezeigt hatte und stieg ab.

Reiten war bis dahin nicht meine Sache.

Bis ... die Stute gedeckt wurde und wir ein Stutfohlen bekamen. Da änderte sich mein (Pferde-)Leben. Ich wurde zum Reiter.

 

Und zum Kleinbauer. Wir haben drei Hektar Weide gepachtet und machen unser Heu selbst. In den Anfangsjahren mähte ich mit dem Balkenmähwerk , wendete, schwaderte, presste und fuhr die Heuballen ein. Alles mit meinem alten Zweizylinder Porsche Diesel. Später kam ein stärkerer Dreizylinder Güldner  dazu – immer noch Oldtimer, versteht sich –, gemäht wurde jetzt mit einem Kreiselmähwerk. Schließlich überließen wir die Heuarbeit dem örtlichen Landwirt und fahren die Rundballen mit dem Frontlader nach Hause.

 

 

Hobbys

 

Neben dem Reiten tanze ich. Früher Standard (Walzer, Quickstepp und Slowfox) und Latein (Cha-cha-cha, Rumba, Samba und Salsa), heute tanze ich leidenschaftlich Tango Argentino (eine Idee für einen Tangothriller liegt bereits vor), spiele Schach (ein selbst erfundenes Schachrätsel ist der Schlüssel im letzten Teil der Confluentes-Trilogie), fahre Ski und bin in Holland Regatten gesegelt.

 

Außerdem restauriere ich alte englische Sportwagen und deutsche Traktoren, spiele Klavier und bringe meinen Flügel und mein Tafelklavier – beide um 1878 gebaut – auf Vordermann. Ein Psychothriller um ein Tafelklavier befindet sich in der Planung. Und ich entwerfe – inspiriert durch Dan Browns »Illuminati«  –   Ambigramme.

  

Das war es – für den Moment!